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Freie Übersetzung von Walter Jens in einer Bearbeitung des Staatstheaters Kassel Premiere 22.5.04 Muttermord ruck, zuck Der Spiegel Nr. 22/24.5.04 Es geht mit Mama los, das Elend diesesLebens. Mit einem markerschütterndem "Mama!"-Schrei hebt eine "Orestie"-Inszenierung im Schauspielhaus Kassel an (Premiere soll am 22. Mai sein), die sich aufs Äußerste konzentriert: In knapp anderthalb Stunden nimmt die Geschichte des Atriden-Geschlechts ihren bekannt blutigen Verlauf. Orestes (Peter-René Lüdicke), von den Stimmen streitender Götter verfolgt, erliegt dem Fluch des Schicksals und tötet seine Mutter - die zuvor ihren Gatten Agamemnon, den König und Vater, ermordet hat. Die Rückkehr Agamemnons, des Vernichters Trojas, an seinen Hof und zurück zu Klytaimnestra, stellt die Regisseurin Amina Gusner als kaltes, entfernungsreiches Spiel der Hoheiten dar, die sich mit stolzem Argwohn begegnen. Die Bluttat selbst ist ein leidvoller, grausamer Kampf, und im rucksichtslosen Auswalzen der ehelichen Verzweiflung ein Höhepunkt der Inszenierung. Gusner hat das Aischylos-Drama (Übertragung Walter Jens) radikal gekürzt, mit modernen Texten versetzt- Musik hinzugefügt - und so den Kern einer Tragödie freigelegt, die noch immer Erschütterung und Befremden erregt. |
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Darsteller |
Peter René Lüdicke |
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Musik |
Paul Wilke |
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Bühne |
Johannes Zacher |
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Kostüm |
Inken Gusner |
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Dramaturgie |
Anne-Sylvie König |
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Regie |
Amina Gusner |
| Orest ist auf der Flucht, denn er tat „die Tat“. Orest hat seine Mutter umgebracht, aus Rache für den Mord an seinem Vater Agamemnon, Klytaimestras Ehemann und Kindesvater. Angetrieben von Apoll und von seiner Schwester Elektra wird Orest zum Muttermörder. Orest hofft Ruhe zu finden, indem er Athene über seine Schuld oder Unschuld entscheiden lässt. Selbst die Verantwortung zu übernehmen – das kann und will er nicht. Orest bleibt auf der Flucht. Die Schatten seiner Mutter jagen ihn, auf das Leiden ist Orest nicht vorbereitet, denn seine Bluttat schien gerecht. Doch wer handelt, leidet auch, - der zum Handeln Geriebene, verdrängt das Leid. Ungesühnt bleibt der Muttermord nicht: In Orest Kopf kämpfen das rationale gegen das emotionale Prinzip, die Liebessehnsucht nach der Mutter gegen das Recht auf Eigentum und Familienehre. Orest ist das Ende einer blutigen Kette des Atridengeschlechts. Blut wird vielleicht nicht mehr fließen, doch die Zerstörung, die nach außen ging, richtet sich nach Innen: Im Herzen von Orest hockt die Angst. | |
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